McDonald’s

Heute habe ich mein Zelt an einer ziemlich steinigen Stelle aufbauen müssen, etwas Besseres war nicht zu finden. Aber ich bin zufrieden, alles steht und ich habe gekocht. Heute gab es Reis.

Ich hatte mit etwa vierzig anderen Hikern an einer Picknick-Area gecampt. Irgendwie war das nicht richtig erlaubt, aber auch nicht richtig verboten. Und es gab die Möglichkeit, sich vom örtlichen Pizza-Dienst beliefern zu lassen, was fast alle in Anspruch nahmen. Und weil das dann doch sehr lange dauerte, habe ich meine Pizza im Zelt gegessen, denn der Wind war sehr kalt.

Gegen 7 Uhr morgens hatte ich alles gepackt und war wieder unterwegs. Und wieder ging das Laufen ganz einfach, natürlich, wie geschmiert. Eine schöne Erfahrung!

Heute war es der Tageshöhepunkt, dass der Trail an der Interstate vorbeikommt, wo es ein McDonald’s-Restaurant gibt. Alle wollten dort hin und schwelgten in Gedanken von vollen Tabletts mit fetten Hamburgern und Pommes. Bis dorthin waren es aber noch fast vierzehn Meilen.


Dank des mühelosen, zügigen Laufens erreichte ich noch kurz vor 12 Uhr das Tal, in dem die Interstate verläuft. Sie ist dort aber nicht allein, sondern mit vielen anderen Highways und einer Ballung von Schienensträngen, auf denen unaufhörlich schwere Güterzüge mit lang anhaltendem Tuten fuhren.
Aber die Aussicht war spektakulär!

Eine solche Landschaft habe ich auch noch nicht gesehen. Wieder hätte ich ganz ruhig sitzen können, nur um zu schauen. Nach den Fotos mache ich mich bald an den Abstieg und erreichte das Restaurant gegen halb eins. Und als ich um die letzte Kurve bog, setzte donnernd der Verkehrslärm ein und der Abgasgeruch überdeckte alle anderen Gerüche der Natur. Was für eine Enttäuschung! Ein ganz normaler McDonald’s! Einzig speziell war die Kundschaft: 80% PCT-Hiker und meterweise Rucksäcke.

Ich habe auch ein Menü bestellt und mich zu zwei freundlichen Amerikanern gesetzt. Und merkte bald, dass ich mich falsch und deplatziert fühlte. Nach den vielen Stunden in der freien Natur war der Kontrast extrem, der Verkehr auf der Interstate viel zu laut und hektisch und der Betrieb bei McDonald’s viel zu aufgesetzt. Und weil zudem die Klimaanlage bei mir für Gänsehaut sorgte, entschloss ich mich bald wieder zu gehen, obwohl es draußen heiß und schattenfrei war.

Trotzdem war es ein gutes Gefühl, wieder draußen zu sein, trotz des Verkehrslärms. Und ich musste auch gar nicht so weit gehen, um wenigstens dem Autolärm zu entkommen. Durch den zügigen Schritt kam ich gut voran, und nachdem ich auch noch die Eisenbahn hinter mir gelassen hatte, setzte ich mich unter einen der wenigen Bäume und machte Pause.

Gegen 15 Uhr machte ich mich wieder auf den Weg, nachdem tatsächlich nur drei andere Wanderer vorbeigekommen waren, die anderen waren wohl bei McDonald’s hängen geblieben. Und so war ich ganz alleine unterwegs – und habe es genossen.

Die Landschaft grandios, der Wind teilweise so heftig, dass meine Schritte einer Schlangenlinie glichen. Durch den Wind war auch die Wärme gut auszuhalten. Nach etlichen Meilen hatten Trail-Angel für einen Vorrat an Wasser gesorgt, wo ich meinen Bestand auffüllen konnte, danach machte ich mich an den Aufstieg.

Dabei hatte ich nicht so genau auf den Plan geschaut und dadurch übersehen, dass es während des Aufstiegs keine Zeltplätze gibt. Meinem Glück vertrauend ging ich einfach weiter, bis ich zu diesem Platz kam, von dem aus ich gerade schreibe. Draußen fliegt ein Kolibri um mein Zelt, ich kann eine Eule und einen weiteren, mir unbekannten Vogel hören. Und in der Ferne höre ich das Tuten der Lokomotiven. Einundzwanzig Meilen geschafft!

McDonald’s

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