Verona

Verona ist natürlich viel mehr als nur die Arena. Trotzdem steht sie auf meiner Fahrt ziemlich im Vordergrund. Sie ist die drittgrößte Arena in Italien und würde ca. 30.000 Menschen fassen, wenn sie voll besetzt wäre. Bei den Opernaufführungen gehen maximal 15.000 Personen hinein und das auch nur, wenn die Aufführung ausverkauft ist. Die gestern von mir besuchte war es nicht.

Bei der ersten Aufführung einer Oper von Verdi vor über hundert Jahren, so erfuhren wir heute durch den Stadtführer, waren echte Elefanten auf der Bühne. Damals wurde Aida aufgeführt, sodass das gut passte. Bei La Traviata würde es nicht passen, denn diese Geschichte spielt ja im neunzehnten Jahrhundert. Aber immerhin kam ein echtes Pferd mit einem Begräbniswagen und ein (unechter) Pfarrer mit Ministranten zum Einsatz.
Aida ist trotzdem allgegenwärtig, besonders weil die Bühnendekoration auf der Straße abgestellt wurde. Und zur Arena lässt sich noch anmerken, dass die Außenmauern während eines schweren Erdbebens vor vielen Jahrhunderten eingestürzt sind, nicht wieder aufgebaut wurde und die Steine später als Baumaterial verwandt wurde. Trotzdem ist sie immer wieder ein lohnendes Motiv.

Verona liegt in der Schleife des Flusses Etsch, der nebenbei auch im Deutschlandlied erwähnt wird, genau wie mein Nachname. Der Fluß entspringt im Vinschgau und mündet bei Venedig in die Adria. Nebenbei ist er der zweitlängste Fluß Italiens. Heute wirkt er grau und trüb, aber vor zwei Wochen sah er frisch und einladend aus.


Mittelalterliche Spuren findet man überall in Verona, obwohl ich nur sehr wenige Fotos mache. Diese Burg ist ein Beispiel und ich habe sie aus verschiedenen Blickwinkeln erwischt.

Die Zinnen in Form von Schwalbenschwänzen weisen die mittelalterlichen Herrscher als Feinde der Päpste aus und sind in Verona ausschließlich zu finden. Auch auf der mittelalterlichen Stadtmauer, durch deren wahrscheinlich viel später eingerichtete Bögen ich mein vierhundert Meter von der Arena gelegenes Hotel erreiche.

Das touristische Highlight, die Bronzefigur der Julia und den dazugehörigen Balkon habe ich nicht fotografiert, auch die Figur nicht an den Brüsten angefasst (weswegen es mit der ewigen Liebe wohl nicht mehr klappen wird). Auch viele andere, sicherlich sehr schöne Details habe ich nur gesehen, nicht aber festgehalten. Für viele davon erscheint mir das Telefon einfach ungeeignet. Mir gefällt das Leben auf den Straßen ohnehin am Allerbesten. Und das nehme ich beim Vorbeigehen wahr.

Gerne hätte ich einmal mehr Zeit hier, nur für mich. Heute habe ich bei fast vierzig Grad den Bus ausgesaugt, Getränke aufgefüllt und die Kaffeemaschine gereinigt. Dazu ein neues Parkticket erworben, man kann nicht für das ganze Wochenende buchen. Um den Parkplatz des Busses beim Stadion zu erreichen, laufe ich eine Dreiviertelstunde. Auch bei den derzeitigen Temperaturen habe ich dabei meine Freude, wenn ich die laut „sägenden“ Zikaden höre, die hier überall in den Bäumen sitzen und für mich untrennbar mit Südeuropa verbunden sind. Mein hiesiges Lieblingsgeräusch!

An die Aufführung von gestern werde ich noch lange denken, daher hier noch, zur Vervollständigung, die Sterbeszene aus dem dritten Akt, vor deren Aufführung ich den gestrigen Beitrag geschrieben habe. In einem ruhigen Moment werde ich mir auch die Musik noch einmal anhören und mich mit dem Text beschäftigen.

Von allen italienischen Städten, die ich bis jetzt (meist eher flüchtig) kennen gelernt habe, gefällt mir Verona am Besten. Leider werde ich die nächste Tour nicht fahren, dafür ist ein Kollege eingeteilt. Aber ich bin sicher, dass ich nicht zum letzten Mal hier gewesen bin.

 

 

 

Verona

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