Zwischenwelten

Heute gibt es mal wieder einen Beitrag ohne Bilder. Warum? Es sind Gedanken und Gefühle, über die ich heute schreiben möchte.

Es fühlt sich gut an, wenn ich mit meiner Reisegruppe unterwegs bin. Ich habe eine sinnvolle Aufgabe, die mir zudem Spaß macht und immer wieder neue Erlebnisse mit sich bringt. Es erscheint mir so, als wäre ich am richtigen Platz. Und ich bekomme das auch seitens meiner Firma genauso kommuniziert, was sich sehr gut anfühlt.

Ich habe noch immer keine Bleibe hier. Die Wohnungssuche ist bislang eine Aneinanderreihung von Enttäuschungen. Folglich übernachte ich in der Nacht vor einer Fahrt im örtlichen Hostel, teilweise in Zimmern mit zehn anderen Menschen. Erinnerungen an die Herbergen auf dem Jakobsweg sind da vorprogrammiert. Ich habe trotzdem einen ganz guten Schlaf und bin meist ausgeruht, wenn ich früh morgens meinen Dienst antrete. Ein Zuhause ist es jedoch nicht.

Wenn ich dann meine Arbeit vollständig erledigt habe und meinen Bus sauber und entleert abgestellt habe, mache ich mich auf und fahre, wenn ich nicht zu müde dazu bin, zurück nach Rottweil, in meine Wohnung. Und bin mir dann nicht mehr sicher, ob ich dort noch zuhause bin. Sie ist mir irgendwie fremd geworden, so, als würde ich beim Eintreten sagen: Ach so, hier wohne ich also! Alles wird stets dem Gesichtspunkt untergeordnet, dass ich ja bald wieder unterwegs sein werde. So habe ich seit drei Wochen nicht mehr gekocht, denn es müsste ja danach noch abgewaschen und der Müll entsorgt werden. Und die Reste im Kühlschrank würden wahrscheinlich in der Zwischenzeit verschimmeln. Überall sehe ich nun die Anzeichen von Vernachlässigung und mangelnder Pflege. Gestern habe ich diesem Umstand Rechnung getragen und meinen Birnenbaum verschenkt, der in den letzten Tagen der großen Hitze ohne Wasser auf dem Balkon stand und sehr gelitten hat. Nun steht er in der dunklen Erde eines Rottweiler Gartens und kann sich erholen, zumal es heute ziemlich lange geregnet hat. Zum Saubermachen in der Wohnung hat die Zeit und die Energie noch nicht gereicht, ich will mich Anfang der kommenden Woche daran machen.

Ich mag meine Wohnung sehr und habe mich dort bisher in einem Umfang wohl gefühlt, wie lange nicht mehr. Und jedem meiner Besucher ging es genauso und jeder erlebte den großen Reiz dieser ruhigen Wohnung mit ihrem kleinen Balkon, mitten in der Fußgängerzone. Aber nun habe ich das Gefühl, dort nicht mehr wirklich zuhause zu sein, obwohl doch alles unverändert ist. Ein neues Zuhause habe ich aber auch nicht und befinde mich so irgendwo zwischen verschiedenen Existenzen, zwischen unterschiedlichen Welten. Ein komisches Gefühl!

Ich bin mir nicht mehr sicher, wohin ich eigentlich gehöre.

Zwischenwelten

2 Gedanken zu „Zwischenwelten

  • 24. Juli 2022 um 11:57
    Permalink

    „Ich bin gerne unterwegs und gerade nicht da“
    M.Maas

    Lieber Matthias

    es ist noch gar nicht solange her da hast Du mir gesagt, dass Du jetzt in Rottweil angekommen bist.
    Und dass Du auch gerne dort bleiben möchtest. Das war zu der Zeit, als Du noch Linienbus gefahren bist und jeden Tag nach der Arbeit nach Hause gekommen bist. Jetzt hat sich alles verändert. Du fährst endlich wieder Reisebus.
    Du bist ständig unterwegs. Deine Wohnung ist nur noch ein Zwischenstop bis zur nächsten Reise.
    Und der Aufenthalt dort ist mit Stress verbunden, weil Du in kürzester Zeit alles Notwendige erledigen musst. Du schreibst, deine Wohnung ist Dir fremd geworden. Das kann ich gut verstehen.
    Wodurch wird eine Wohnung zu einem Zuhause ? Nicht durch dort wohnen, sondern LEBEN.
    Nach getaner Arbeit nach Hause kommen, sich wohl fühlen. Im Bett liegen und über die Dächer von Rottweil schauen, auf dem Herd köchelt ein indisches Curry, in der Nase den Duft von selbstgebackenem Brot und im Hintergrund läuft dein geliebter Bach.
    Dein Birnbaum wird in seinem neuen Zuhause wachsen und gedeihen. Er wird Wurzeln schlagen.
    Wohingegen Du Deine Wurzeln gerade ausgerissen hast.
    Auch wenn Du in Freiburg eine schöne Wohnung findest, wird es für Dich sicher nicht einfach werden, Dich heimisch zu fühlen. Weil Du nicht dort LEBST.

    Du bist gerne unterwegs und meistens nicht da

    Liebe Grüße

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  • 29. Juni 2022 um 10:04
    Permalink

    Virlleicht nimmst Du gerade den Kleinen mit. Und er fühlt sich sicher.

    So braucht er kein “das” zu Hause. Er hat eines.

    “Das MUSS sich merkwürdig anfühlen…” denkt es sich dazu in mir

    Antworten

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