Arena

Auf der ersten Etappe kam ich durch einen Ort, an dessen Ende sich eine große Ausgrabungsstätte befindet. Die Römer hatten hier eine ziemlich große Siedlung, deren Hauptteil unter der modernen Stadt vergraben liegt. Diese Siedlung hieß Italica, und wen es interessiert, der findet bei Wikipedia unter diesem Namen gute, komprimierte Informationen.

Unter den ausgegrabenen Spuren der Vergangenheit ist wahrscheinlich die Arena die spektakulärste. Soweit ich gelesen habe, ist es die Drittgrößte und hatte Platz für über 25000 Personen. Ich erinnere mich an die Arena in Arles in Frankreich, die deutlich besser erhalten ist und mir daher mehr imponiert hat. Beim Schlendern durch die verschiedenen Bereiche versuchte ich, aus den spanischen und englischen Erklärungen die für mich wichtigen Informationen zusammen zu stellen.

Bis ich dann vor einer Tafel stand, auf der der normale Ablauf der römischen Spiele beschrieben wurde. Demnach begannen am Vormittag Jagden auf wilde Tiere, die von professionellen Jägern durchgeführt wurden. Am Nachmittag waren dann Gladiatorenkämpfe angesagt. Und dazwischen wurden ein paar Menschen hingerichtet, die bereits verurteilt worden waren. Und dann jene, die zum Tod durch die wilden Tiere verurteilt worden waren, die kamen danach.

Ich stellte mir das vor, beziehungsweise ich versuchte das. Dachte an den fragwürdigen Aspekt der Volksbelustigung, das Gejohle und begeisterte Geschrei. Und zusätzlich zu dem kalten Wetter wurde mir von innen her so kalt, dass ich die weiteren Ausgrabungen nicht mehr wirklich genießen konnte. Es gab viele Grundrisse zu sehen und teilweise wunderschöne, farbige Mosaike. Aber was ist das alles angesichts der geistlosen Brutalität in der Arena?

Gestern waren wir im Museum für das iberische Schwein, von dessen Schinken ja der wunderbare Seranoschinken gewonnen wird. Im Verlauf des Rundgangs gab es dann einen Film über die Herstellung und Verwendung von allem, was man von einem Schwein nutzen kann. Am Anfang stand natürlich die Schlachtung, bei der sicherlich fünfzehn Personen außen herum standen. Ich konnte nicht hinsehen, glücklicherweise war der Film nicht mit Ton, sondern mit sanfter Fahrstuhlmusik unterlegt. War es nicht aber auch eine öffentliche Hinrichtung?

Meine Stimmung war jedenfalls im Keller. Das Thema Hinrichtung betrifft mich aus irgendwelchen Gründen sehr und ich bin extrem empfindlich. Nicht ohne Grund habe ich wohl so oft von der mir unmittelbar bevorstehenden Exekution geträumt. Sicherlich werde ich nun auch nicht zum Vegetarier. Aber das Schwein tat mir unendlich leid. Und ich wünschte mir, dass die Menschen anders mit allen Lebewesen umgehen würden.

Ich habe heute ganz besonders darauf geachtet, dass ich kein Insekt, keine Raupe oder etwas anderes zertrete. Und ich hoffe, es ist mir gelungen.

Arena

Ein Gedanke zu „Arena

  • 18. März 2022 um 12:24
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    Hofffe für Dich, dass bald alles etwas sonniger strahlt und Du positive Eindrücke auf Deiner Wanderung erhältst. Alles Liebe für Dich – denke oft an Dich!

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