Herbstwind

Heute bin ich um 5.05 Uhr gestartet. Es herrschte ein kräftiger Wind, manche Menschen würden wahrscheinlich Sturm dazu sagen. Draußen war es noch dunkel und ich hatte auf meiner ersten Tour auf den Heuberg nur die zwei bereits bekannten Fahrgäste. So hatte ich Zeit und Muße, zu beobachten, was der Wind alles veranstaltete.

Ein von mir geschätzter Kabarettist hat einmal im Rahmen einer längeren Ausführung über Gott und Religion gesagt: „Gott hat Humor, er hat Meerschweinchen gemacht.“ Und so, wie ich über diesen Spruch immer wieder lachen muss, so musste ich heute über das lachen, was der Wind mit den Blättern der Bäume gemacht hat. Es war spannend, ein bereits welkes Ahornblatt zu beobachten, das über den nassen Asphalt geweht wurde, als würde es die Blattspitzen als Beine benutzen und quasi die Straße krabbelnd überqueren.

Besonders hat es mich beeindruckt, dass der Wind die Bäume derart schnell entlauben kann. Bei der Dunkelheit und im Scheinwerferlicht entstand zeitweise der gleiche Eindruck wie bei starkem Schneefall mit sehr großen Flocken. Manchmal kreisten erhebliche Mengen an Blättern wie bei einem Kreistanz in großer Geschwindigkeit umeinander, andere kamen mir in mehreren Reihen entgegen oder wollten in hohem Tempo vor mir und meinem Bus fliehen. Allerdings habe ich sie doch eingeholt.

Weniger schön war, was der Wind mit den gelben Tonnen machte, die für die Müllabfuhr bereitgestellt waren. Die übervollen Gefäße wurden umgeworfen und weitgehend entleert. Bisweilen sah es dann auf der Straße aus wie auf einem Festivalgelände nach Ende der Veranstaltung: alles voll Müll. Zusammen mit den vielen Blättern und dem bereits zu Matsch verwandelten Laub war es im Licht der Straßenbeleuchtung schon ein bisschen gespenstisch, speziell wenn ich über Plastiktüten oder TetraPaks fahren musste und es entsprechend knallte. Teilweise verschob der Wind auch die Tonnen auf die Straße, sodass es bisweilen ziemlich eng zuging. Und natürlich lagen viele Verkehrsschilder und Baustellenabsperrungen am Boden, auch einen Baum hatte es umgelegt.

Trotzdem habe ich heute bei der Dunkelheit den Wind sehr genossen. Lange hatte ich nicht mehr so viel Freude bei dem, was vor meiner Windschutzscheibe los war. Blätter im Wind, mehr nicht….

Herbstwind

Ein Gedanke zu „Herbstwind

  • 21. Oktober 2021 um 11:41
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    Schön geschrieben – hier in Geroldshausen kann ich fast alles nachempfinden und Wind, Bäume und Blätter beobachten. Die Tonnen für Morgen habe ich noch nicht rausgestellt – Du hast ja geschrieben, was mit denen geschieht. Schön war es für mich, wieder von Dir zu hören!!! Freue mich schon auf unser nächtes Gespräch – vielleicht auch mit Bild!
    Liebe Grüße und eine sichere Fahrt…….
    Roland

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