Ein kleiner Schritt

Es ist schon hell draußen, aber noch will der Traum nicht weichen. Irgendwie ist es ein schöner Traum, in dem zu verbleiben reizvoll ist. Seit zwei Tagen habe ich in der Nacht das Fenster meines Schlafzimmers offen stehen und genieße die frische, kühle Luft, den leichten Windzug im Zimmer und die Geräusche der Nacht. Natürlich habe ich die beginnende Dämmerung bemerkt und das Singen der Vögel, und als ich einmal die müden Augen kurz aufgemacht habe, schien die Sonne bereits auf das rote Dach gegenüber. Aber ich wollte gerne noch länger schlafen, immerhin ist ja heute Feiertag in Baden-Württemberg und es gibt keinen Grund für übertriebenen Aktionismus.

Doch dann zog mich etwas gegen meinen Willen an die Oberfläche des Bewusstseins, und es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, was mich da aus dem Schlaf holte. Es war Musik! Live gespielte Musik von einem Blechbläser-Ensemble. In den Momenten, als ich nun doch wach wurde, glaubte ich ein Kirchenlied erkannt zu haben, bin mir aber nicht sicher. Beim Blick auf den Wecker, noch mit verquollenen Augen, musste ich feststellen, dass es erst sechs Minuten vor sieben Uhr war. Eine ungewöhnliche Zeit für Live-Musik! Ich hörte keine Autos oder menschliche Stimmen, nur die Musik und die Stimmen der Vögel.

Es war angenehm warm unter der Decke und die Situation lud ein, die Augen wieder zu schließen. Nach fünf Minuten kam wieder ein Stück, das ich nicht erkannte. Und nach fünf weiteren Minuten das Nächste. Irgendwann wurde dann etwas von Beethoven gespielt (“Die Himmel rühmen…” – und ich hoffe, dass ich mich jetzt mit dem Komponisten nicht geirrt habe) und dann ein weiteres Kirchenlied, das mir aus der Vergangenheit geläufig war. Und ich hoffte auf weitere Darbietungen, aber zu meinem Bedauern war gegen 7.30 Uhr Schluss und es blieb nur die Stille und die Vögel mit ihrem Gezwitscher.

Mir schien das heute ein kleiner Schritt zu sein, zurück zu einer Normalität, die mir schon fast entfallen war. Musik auf der Straße – das hat es seit einem Jahr wegen Corona nicht mehr gegeben. Dabei hat Rottweil ein ziemlich gutes, städtisches Blasorchester, das oft vor dem Rathaus gegenüber meiner Wohnung gespielt hat. Und auch, wenn ich die Musik dann, bedingt durch die Nähe, auch in meiner Wohnung hören konnte, bin ich doch oft genug nach draußen gegangen, um die Musik so direkt wie möglich zu erleben.

Und so ist es heute ein besonderer Tag, der sehr schön begonnen hat. Die Musik hat mein Herz erreicht, und es hat mich bewegt, sie in der morgendlichen Stille zu hören, als wäre sie nur für mich gespielt worden. Ein großes Dankeschön an die, die dort gespielt haben!

Ein kleiner Schritt

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