Zwei Tage

Hier bin ich nun, am Ende eines langen Tages. Ich habe mein Zelt aufgebaut, der Kocher bereitet mir mein Abendessen (Nudeln Chicken-Taste und Mashed Potatoes) und ich schaue zurück auf die zwei Tage, die ich gelaufen bin.

Heute bin ich die zweihundertste Meile gelaufen. Das ist vielleicht gar nicht so wichtig, aber es bedeutet eben doch, dass ich die Entfernung von Würzburg nach Wolfenbüttel gelaufen bin. Der Anstieg von Idyllwild war ziemlich heftig. Es ging acht Meilen nur bergauf. Und irgendwie war ich nicht wirklich fit und schleppte mich den Berg nur so herauf. Es ging viel langsamer, als ich mir selbst erhofft hatte. Dafür wurde ich durch die spektakuläre Landschaft belohnt.

Es war auch das erste Mal, dass ich in Kalifornien mit Schnee in Berührung kam. Zweimal habe ich dadurch die Orientierung und damit auch den Weg verloren. Leider kam ich beide Male relativ weit abwärts vom Weg ab, sodass ich querfeldein und steil bergauf den Rückweg nehmen musste.

Dafür war es auf der Höhe genial. Es roch derartig gut nach Pinien, dass ich die ganze Zeit an Sauna, Wellness oder stundenlange Bäder in der Badewanne denken musste. Ein besonders schöner Moment entstand, als ich an einem Bach saß, den ich gerade überquert hatte. Meine Gedanken dazu habe ich bereits in den Blog gestellt.

Übernachtet habe ich auf fast 9000 Fuß Höhe, weil ich merkte, dass der Tag mit dem langen Aufstieg für mich genug gewesen war. Ich habe dort auch gut geschlafen, der Wind war nur mäßig, und ich habe nur unwesentlich gefroren.

Ich wusste, dass nun ein Abstieg über zwanzig Meilen folgen würde, der von der Höhe von 9000 Fuß auf eine Höhe von ungefähr 1000 Fuß herunter führt. Um 8:00 Uhr morgens war ich fertig, hatte alles verpackt und machte mich auf den Weg.

Dadurch, dass es nur abwärts ging, bin ich heute sehr zügig vorangekommen. Im Ganzen habe ich achtzehn Meilen geschafft. Mehrfach ging es über Schneefelder, und bisweilen war nicht ganz klar, wo der Weg eigentlich verläuft. Das folgende Foto untermalt das:

Es war ein interessanter Weg, der von Hochgebirgsvegetation bis runter zur Wüste führte, inklusive Kakteen und Schlangen. Heute habe ich meine erste Klapperschlange gesehen. Sie lag am Rand, und ich war schon an ihr vorbei, als sie anfing zu rasseln. Ich stand sicher vier Meter von ihr entfernt und schaute sie an, beobachtete ihre Zunge, die sie fortwährend herausstreckte und überlegte, ob ich die Kamera zücken soll oder nicht. Am Schluss habe ich es nicht getan, sondern bin weitergegangen.

Leider hatte ich vergessen, mir an einer am Weg befindlichen Wasserstelle zusätzliches Wasser zu holen. So kam ich ein bisschen in den Druck, bis zur nächsten Wasserstelle gehen zu müssen, um noch genug Wasser zu haben. Einigermaßen erschöpft und doch sehr zufrieden erreichte ich gegen 17:30 Uhr hier die Wasserstelle. Ich füllte mein Wasser auf und baute mein Zelt.

Morgen geht es dann ein ziemlich langes Stück durch die Wüste, fünfzehn Meilen ohne Wasserquelle. Darum schlafe ich heute auch an der Wasserquelle, damit ich morgen Früh mein Wasser noch auffüllen kann, bevor es auf den Weg geht. Sicher wird es ein ziemlich heißer Tag, ohne Schatten, in der Ebene.

Zwei Tage

4 Gedanken zu „Zwei Tage

  • 7. Mai 2017 um 16:16
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    Hallo Matthias,
    zurück von einer Wanderwoche an der Amalfiküste, lese und studiere ich deine Berichte und Fotos. Ich beneide dich um deinen Mut und deinen Willen, körperliche und mentale Herausforderungen zu meistern und zu dir selbst zu finden.
    Ich denke an dich, halte dir die Daumen und bin gespannt auf deine weiteren Einblicke in dein Wander-/Abenteuerleben.
    Ciao, Volker

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  • 2. Mai 2017 um 18:21
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    Lieber Matthias,
    wunderschöne Bilder, es muss toll sein, dort zu wandern! Du hast den Pinienduft, wir hier das Sau(na)wetter….. Freut mich sehr, dass inzwischen alles so entspannt läuft. Beziehungsweise: dass du so entspannt läufst. 🙂 Klingt sehr nach Genießen!

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  • 2. Mai 2017 um 9:50
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    Starke Landschaft! Ich würde da jetzt auch gerne sein, lieber als hier im Büro zu sitzen! Draußen habe ich hier gerade Landregen bei 10°C.

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  • 2. Mai 2017 um 6:13
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    Lieber Matthias,
    Du bist so stark und hast ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Bewahre Dir Deine Kraft für Deinen weiteren Weg, wofür wir Dir die Daumen drücken. Wir beide haben schon mehrere Kommentare geschrieben, die leider nirgends auftauchen. Trotzdem versuchen wir es immerwieder, um Dir Mut zu machen. Tine und Norbert

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