Am Abend

Es ist jetzt 7:15 Uhr am Abend. Mein Zelt ist aufgebaut, ich habe nicht nur Pasta Alfredo von Knorr gegessen, sondern auch drei Tortillas und eine Tüte Beef Jerky. Ich sollte also satt sein, bin aber noch nicht ganz sicher. Zum ersten Mal habe ich am Abend tatsächlich Hunger gehabt. Das ist neu.

In der Ferne haben die Berge den letzten Sonnenschein verloren, die Sonne ist im Westen hinter dem Berg verschwunden. So habe ich noch ein bisschen Zeit, um auf diesen Tag zurückzuschauen. Irgendwie war es ein verrückter Tag. Er begann mit vier Meilen leicht abwärts und dann durch eine trockene Ebene, die ich nicht ohne Wasser und ohne den Wind, der hier gerade herrscht, durchqueren möchte.

Als ich dann an der Brücke ankam, waren dort bestimmt zwanzig Wanderer, die sich am Frühstück labten. Ich habe bereits beschrieben, dass es danach in die Stadt Julian ging, wo es für PCT–Hiker einen Kuchen mit Eis und Kaffee gratis gibt.

Nachdem ich dort auch noch eingekauft und meine Wasservorräte aufgestockt hatte, bin ich mit dem ersten Auto wieder zurück zur Brücke gefahren. Mir war nach Laufen, auch wenn viele andere Wanderer meinten, dass es bei der Mittagshitze unerträglich sein würde.

Ich weiß immer nicht, was ich davon halten soll. Ich habe mich einfach auf den Weg gemacht in der Annahme, dass ich meine eigene Erfahrung machen würde. Und wurde von mir überrascht. Es ging meilenweit stetig bergauf, und selten bin ich so leicht aufwärts gelaufen. Ich war irgendwie in meinem eigenen Rhythmus, mit mir selbst im Reinen und es ging so leicht, einfach zu laufen, auch wenn es bergauf war.

Gut und gerne bin ich dann drei Stunden am Stück gelaufen. Ich habe dabei versucht, auf mein Wohlergehen zu achten, habe etwas gegessen, was ich in Deutschland eher als Snack für Hunde kenne und von meinem frisch erworbenen Wasser ausreichend getrunken. Als ich dann das Gefühl hatte, dass ich mal eine Pause machen könnte, hielt ich unter einem schattigen Busch an. Ich zog Schuhe und Strümpfe aus, ließ alles in der Sonne trocknen und entspannte mich. Dann schrieb ich zwei Blog-Einträge, die mir wichtig waren.

Mir begegneten einige Wanderer, und mit einem älteren Herrn aus Oregon habe ich mich länger unterhalten. Dann bin ich weitergegangen, und es war wie vorher: Es ging so einfach! Es war eine schöne Erfahrung, und dazu war das Wetter ein Traum. Die Sonne schien durchgehend, es war sehr hell, gleichzeitig blies der Wind sehr stark, sodass man die Hitze der Sonne nicht spürte. So lässt es sich wandern!

Ich bin heute 16 Meilen gelaufen, ganz ohne Probleme. Ich hätte weitergehen können. Aber ich versuche ja, auf mich zu hören. Und als ich an diesem schönen Platz ankam, wusste ich, dass es Zeit war anzuhalten. Außerdem hatte ich es dem kleinen Matthias versprochen.

Nun werden wir auch den Sonnenaufgang erleben können, den ich direkt aus meinem Zelt sehen kann, falls ich rechtzeitig wach bin. Vielleicht kann ich morgen Früh gleich ein neues Bild zeigen.

Ich glaube, dass es dem kleinen Matthias heute gut gegangen ist. Und es war schön, ihn neben mir zu wissen.

Am Abend

2 Gedanken zu „Am Abend

  • 24. April 2017 um 22:14
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    Wenn ich diese Fotos sehe, komme ich direkt in Urlaubsstimmung. Ich bin auf Deinen weiteren Weg gespannt, Matthias.

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  • 24. April 2017 um 11:51
    Permalink

    Es macht mir so viel Freude Deine Bilder zu sehen und zu spüren, wie es Dir immer besser auf Deinem Weg geht! Ein lieber Gruß aus Geroldshausen, wo heute, Gott sei Dank, die Sonne wieder scheint und der blaue Himmel für Stimmung sorgt. Dir ein „weiter so“ und eine liebe Umarmung!

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