Trinkgeld

Es war ein 2€-Stück. Er drückte es mir fast verschämt in die Hand, als ob er etwas täte, was niemand sehen dürfte. Damit drückte er nur seinen Dank und seine Anerkennung für den reibungslosen und angenehmen Transfer aus. Ich hatte ihn mit seiner Frau und acht anderen Personen an verschiedenen Haltepunkten zwischen Stuttgart und Rottweil aufgenommen und zu ihrem hier wartenden Reisebus zum Gardasee geleitet. Eigentlich habe ich nun meine Arbeit gemacht, aber gefreut habe ich mich trotzdem. Gleichzeitig war ich froh, diesen Fahrtauftrag erfolgreich und ohne Pannen geschafft zu haben.

Es war mein zweiter Arbeitstag hier in Rottweil. Er begann mit dem Klingeln des Weckers um halb vier früh. Eine harte Zeit zum Aufstehen für mich, gegen sechs Uhr fällt es mir viel leichter. Und dann war es zudem meine erste Fahrt allein, ohne Begleitung oder Einweisung seitens einem routinierten Mitarbeiters von Hauser. Und wie so oft zweifelte ich permanent daran, ob ich nach einer kurzen und einmaligen Einweisung alles wieder finden und nicht irgendwelche wichtigen Dinge vergessen würde. Aber zu meiner Überraschung ging alles glatt, ich war zu meiner Sicherheit etwas vor der Zeit (4.30 Uhr) unterwegs, wodurch ich etwaige Zeitverzögerungen auszugleichen dachte. Und so war ich überall sehr pünktlich, sammelte alle Gäste freundlich auf und lieferte sie überpünktlich an ihrem Bus ab. Bei der Gelegenheit lernte ich gleich auch noch Paul kennen, der Richtung Gardasee fahren würde und mir spontan recht sympathisch war.

Meinen ersten Arbeitstag gestern hatte ich mir nicht so anstrengend vorgestellt. Er begann um sechs Uhr. Ich lernte des Disponent kennen, der mich an diesem Tag einweisen würde. Um viertel vor sieben waren wir dann unterwegs, ich am Steuer und er neben mir, in steter Erklärung und Einweisung. Alle Radarfallen, die diversen Haltestellen auf dem Weg, verschieden Abläufe und ähnliches mehr prasselte unaufhörlich auf mich ein und verstopfte nach und nach mein Hirn. Bis nach Stuttgart Flughafen waren wir zwei Stunden unterwegs, dann übernahm er das Steuer und fuhr die Strecke rückwärts, an jeder Haltestelle weitere Personen der Reisegesellschaft aufnehmend. Und dann ging es weiter nach Zürich zum Flughafen, wo die Reisenden ihren Flieger nach Andalusien nahmen.

Die Tour zurück war dann wieder mein Part: Freitag Nachmittag im Berufsverkehr auf der Autobahn um Zürich herum und über Donaueschingen zurück nach Rottweil. Und ich merkte, wie durch den anstrengenden Tag, die Müdigkeit und durch die Nachwirkungen der mir noch in den Knochen steckenden Fahrt von Braunschweig nach Rottweil am Vortag meine Konzentration und damit auch die Präzision beim Fahren litt, was mich sehr ärgerte, zusätzlich verunsicherte und für Kratzer auf einer Radkappe sorgte. Beim Reisezentrum in Rottweil angekommen war noch Tanken und Waschstraße angesagt, ehe der Bus in der Halle für die nächste Fahrt bereit gestellt wurde. Dann noch die Einweisung für den Sprinter, den ich heute morgen zu fahren hatte, dann, nach weiteren Informationen, war Feierabend. Es war gegen sechs Uhr abends.

Jetzt müsste ich eigentlich bereits schlafen, denn um ein Uhr in der Nacht geht es nach Venedig. Wir fahren im Zwei-Mann-Betrieb eine Gruppe zur ihrer Kreuzfahrt und übernehmen dort eine Gruppe und fahren sie zurück. Da wir am Hafen nur eine Stunde geplanten Aufenthalt haben, werde ich von der Stadt mit dem kingenden Namen nichts sehen. Voraussichtlich sind wir gegen 22 Uhr wieder hier, am Montag geht es gleich weiter mit einem Transfer nach Österreich. Für die weiteren Tage habe ich noch keinen Plan erhalten.

 

Heute war ich auf dem hohen Turm, der nur wenige hundert Meter von meiner Arbeitsstelle steht. Ich habe die Aussicht genossen, die sich von dort oben bietet. Dann habe ich mit dem Motorrad eingekauft und werde sicher nicht verhungern. Dazu habe ich mein kleines Zimmer, draußen gibt es einen Gemeinschaftsraum, Küche und Bad mit Waschmaschine und Trockner. Es ist alles da, auch die Kisten, die ich mit Hermes von Wolfenbüttel hierher geschickt habe. Mir fehlt nur ein bisschen die Ruhe zum Schlafen. Auch hätte ich mich gerne hier erst einmal “eingerichtet”, ehe es so intensiv mit dem Job losgeht. Und eigentlich bin ich schon wieder in Sorge und zweifele an mir, ob ich ausgeruht genug bin, die Verantwortung für 42 Personen im Straßenverkehr übernehmen zu können. Es fehlt eben noch an Routine, die ich gar nicht haben kann. Wie immer werde ich mein Betes geben, wenn es heute Nacht losgeht. Und ich habe ja einen routinierten Kollegen dabei, sogar eine Hostess für die Betreuung der Gäste. Es müsste also gehen.

Verdammte Zweifel……

Trinkgeld

3 Gedanken zu „Trinkgeld

  • 22. April 2018 um 19:16
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    Lieber Matthias, zweifele nicht immer so viel!!! Du bist gut und Du machst das schon. Drücke Dir die Daumen!! Alles Liebe, Inken

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  • 22. April 2018 um 15:33
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    Matthias! Du wirst alles schaffen, denn Du bist ja nicht alleine unterwegs. Aber mal so nebenbei: welche Arbeitszeiten hast Du eigentlich und wann gibts einen freien Tag? Das allgemeine Arbeitsrecht sieht Nachtruhezeiten von 11 Stunden vor und meines Wissens sind bei LKWs Lenkzeiten von 8 Std. vorgeschrieben. Ist das bei Bussen alles ausgehebelt? Mach Dich mal schlau, so kann das eigentlich nicht sein! Liebe Grüße von Deiner Schwester

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  • 22. April 2018 um 5:32
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    Die twilight Aufnahme mit dem Halbmond ist super! Weiterhin gute Fahrt und Geduld in Staus und Verkehrschaos!

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