Schnee

Ich liebe den Schnee. Besonders mag ich es, wenn er langsam fällt und das Leben draußen immer stiller wird. Alle Autos kriechen auf der Straße und das normale Abrollgeräusch der Reifen reduziert sich auf ein flüstern. Und ich mag es, wenn die Natur nur noch aus weißen Flächen besteht, wenn ich beim Laufen den lockeren Schnee mit den Schuhen stäubend zerteile und es unter meinen Stiefeln knirscht. Wenn dann noch die Sonne scheint und es so richtig kalt ist, dass ist es ein Wunder, das sich in vielen ganz kleinen Wundern erschließt. Wenn man gewohnt ist, genauer hinzuschauen.

Seit einer Woche haben wir hier Schnee, und zwar mehr, als ich jemals erlebt habe, soweit ich mich erinnern kann. Würzburg war ja eher eine schneearme Gegend, bedingt durch die Lage im Maintal. Und Berlin ist ja auch nicht für große Schneemengen bekannt, auch wenn es eine “Abfahrt” am Teufelsberg gibt.

Hier sah es so aus:  Durch die Wärme der Hauswand taute der Schnee schneller, je dichter an der Wand lag. So ergaben sich diese schrägen Schneehaufen auf meinem Balkontisch und dem Stapel an Stühlen. Und der Sonnenschirmständer war vollständig im Schnee verschwunden. Inzwischen ist er aber wieder sichtbar.

 

 

 

 

 

 

Und so sah es am Bahnhof aus, allerdings noch am ersten Tag des Schneefalls. Die Sitzbänke an der Bushaltestelle sind mit einer flauschigen Sitzpolsterung versehen. Es hat sich aber niemand getraut, sich darauf zu setzen. Schade!

So schön jedenfalls der Schnee an sich ist, so wenig hätte ich ihn gebraucht, als ich am vergangenen Freitag endlich wieder eine neue Arbeitsstelle angetreten habe. Ich fahre nun wieder Liniendienst in der Stadt und dem Landkreis Tuttlingen, jedoch für eine andere Firma als vorher. Von Vorteil ist, dass ich mich bereits ganz ordentlich in Tuttlingen auskenne, auch das Kassensystem ist mir vertraut. Die Stadtlinien muss ich noch lernen, aber auch das geht gut voran.

Es tut mir gut, wieder eine Aufgabe zu haben. Auch wenn ich in meiner Wohnung nie wirklich Langeweile hatte, so ist doch eine Aufgabe außer Haus wichtig für mein Wohlbefinden. Und ich fahre noch immer gerne Bus. Auch das Gefühl, wieder meine eigenes Geld zu verdienen, verbunden mit der Perspektive, in einigen Monaten mein Konto wieder im Gleichgewicht zu haben, gibt mir enormen Auftrieb. Und ich muss mich nicht mehr mit den Leuten vom Jobcenter herumärgern….

Aber zurück zum Schnee. Wenn ich dann durch die eher kleinen Straßen der diversen Siedlungen in Tuttlingen fahre, säumen diverse Schneeberge meine Fahrspur, manche sind sicher mannshoch aufgehäuft. Dazwischen sind teils Lücken, wo fleißige Menschen sich einen Parkplatz für ihr Auto freigeschaufelt haben. Spannend wird es dann, wenn es Gegenverkehr gibt, für den die Fahrspur definitiv zu schmal ist, sie reicht gerade für den Bus. Dann erlebe ich die angesichts des großen Busses von Angst und Unsicherheit gepeinigten Autofahrer, wie sie versuchen, irgendwo eine Lücke zum Ausweichen zu finden. Meist klappt das auch, manch einer musste aber auch schon rückwärts fahren. Manchmal muss ich auch helfen, wenn einer nicht aus dem Schnee herauskommt und daher im Weg steht. Alles eine ganz neue Erfahrung.

Morgen früh geht es um 5.43 Uhr los, was für mich bedeutet, dass ich um 3.30 Uhr aufstehen muss. Das wird klappen, auch wenn ich es hasse, so früh aufzustehen. Aber irgendwie freue ich mich auch, mich bei der Dunkelheit auf den Weg zu machen, wenn noch kein Anderer unterwegs ist. Und ich freue mich darauf, wieder am Steuer zu sitzen. Mal sehen, was der morgige Tag so bringen wird.

Schnee

3 Gedanken zu „Schnee

  • 21. Januar 2021 um 8:30
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    Hallo Matthias,

    daß Du wieder Arbeit gefunden hast, freut mich für Dich! Soweit ich weiß, wohnst Du ja in Rottweil. Da bist Du über die B14 ja doch in noch erträglicher Zeit in Tuttlingen. 05:43 Uhr. Da gehe ich gerade mit meiner Schäferhündin spazieren.

    Alles Gute,
    Stephan

    Antworten
  • 20. Januar 2021 um 22:27
    Permalink

    Hallo Matthias,
    du schreibst:
    Mal sehen, was der morgige Tag so bringen wird.

    ich hoffe und wünsche dir nur positives.

    gruß jayjay

    Antworten

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