Der erste Brief

Lieber kleiner Matthias,

es tut mir leid, dass ich in den letzten zwei Tagen so schlecht für dich gesorgt habe. Bitte verzeih mir, dass ich das noch nicht beherrsche. Ich kann auch nicht sagen, warum es mir so schwer fällt. Irgendwie stehe ich immer da und habe das Gefühl, dass ich weitergehen muss, unverzüglich, und jede wohltuende Pflege oder notwendige Mahlzeit übertrieben und unnötig ist. Ich bin es gar nicht wert – das ist wohl der Gedanke, der dahinter steht.

Du weißt, ich hatte mir vorgenommen, gut auf uns zu achten. Ich habe extra Sonnencreme gekauft, Fettcreme für den Fall, dass ich wund gelaufen bin oder Ähnliches – alles in dem Bemühen, sorgsam mit uns umzugehen und auf unser Wohlbefinden zu achten. Gestern habe ich dir, entgegen meiner Versprechungen, viel zu viel zugemutet. Und es wäre verständlich gewesen, wenn du laut geschrien hättest. Es tut mir leid und es fällt mir nicht leicht, das einzugestehen.

Heute war es nicht so viel anders. Und ich spüre, wie traurig du bist und wie sehr du gerne weinen möchtest. Ganz stark habe ich es erlebt, als die Ausrüstung durchgesehen worden ist. So habe ich heute versucht, eine Lösung dafür zu finden, dass wir es in den folgenden Tagen leichter haben werden. Ich wüsste gerne, dass du das als Zeichen meiner Sorge um uns sehen kannst. Ich habe mir, trotz der extrem hohen Kosten hier, ein Abendessen geleistet und danach versucht, dem Körper das Bestmögliche an Pflege zugute kommen zu lassen. Hoffentlich geht das Wandern morgen besser.

Ich möchte zulassen, dass du traurig bist und voll von Tränen und verspreche dir, für dich da zu sein, wenn es soweit ist, dass all deine Trauer herauskommt. Ich glaube, dass es nicht mehr lange dauern wird. Und ich verspreche dir, dass ich ab heute mich noch mehr bemühe, auf uns zu achten und gut für uns zu sorgen. Bitte hab noch ein bisschen Geduld mit mir.

In Liebe

Dein großer Matthias

Der erste Brief

2 Gedanken zu „Der erste Brief

  • 24. April 2017 um 10:54
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    Lieber kleiner Matthias,
    nun bist Du schon ein paar Tage zu Fuß unterwegs in einem fremden Land und weißt nicht, wie es wird – 4500 km ist eine sehr lange Strecke.
    Der große Matthias hat Dich mitgenommen und Dir versprochen, gut für Dich zu sorgen.
    Nach dem, was ich weiß, hat er das wohl nicht so ernst genommen….er hat nicht gut für Dich gesorgt!
    Aber Du hast es ihn spüren lassen durch vielfältige Zeichen; das hast Du gut gemacht.
    Da Du noch so jung und unerfahren bist, brauchst Du vom großen Matthias Unterstützung; die steht Dir auch zu.
    Nach den Berichten des großen Matthias hat er aber – Gott sei Dank – sehr deutlich gespürt, das da was nicht gut ist:
    – zuviel Gepäck
    – keine ausreichende Nahrung
    – nicht achten auf die Körperkräfte
    – sich an anderen Menschen orientieren

    Kleiner Matthias, ich finde es total klasse, dass Du Dich so meldest!
    Ich glaube, der Große braucht das, um zu spüren, wo Deine Grenzen sind.
    Er nennt es jetzt “Fehler”, aber ich glaube, es sind doch eher deine unguten Erfahrungen, die Du ihm meldest.
    Mach das weiter so, denn nur so lernt er auf Dich zu achten – jeden Tag wird es dann besser werden.

    Ich wünsche Dir, dass Du durchhältst – gib dem Großen eine Chance; ich glaube, er kapiert so langsam, was Du brauchst oder eben nicht brauchst.

    Ihr seid ein tolles Gespann – der Kleine und der Große.
    Ich sehe Euch Hand in Hand durch’s Land wandern…..

    Liebe Grüsse an Dich, mein Kleiner – und wenn Du magst, kannst Du dem Großen auch Grüsse ausrichten.
    Helga

    PS: wie versprochen brennt eine Kerze für Dich und den Großen

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  • 21. April 2017 um 13:04
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    Lieber große Matthias,
    es ist so, du bist tatsächlich nicht alleine auf dem Weg. Neben dir geht der kleine Matthias und schaut immerfort zu dir auf. Er vertraut dir, möchte deine Hand halten und versucht, deinen Schritten zu folgen. Der kleine Matthias ist aber noch jung, er kann nicht immer so schnell wie du es möchtest, er ist zart und braucht dein wachsames Auge auf ihn. Schau an deiner Seite stets nach unten und beobachte ihn. Wenn er langsamer geht, verlangsame deine Schritte, mach zeitig Pausen und zeige ihm die Schönheit der Landschaft. Wenn er durstig ist, gib ihm möglichst früh etwas zu trinken, frage ihn immer wieder, ob er durstig ist. Auch essen soll der kleine Matthias genau so regelmäßig wie du, sonst macht er schnell schlapp.
    Sorge dafür, dass ihr beide euch vor der Sonne schützt, du hast hier eine große Verantwortung.
    Suche und schaffe euch beiden ein gutes Nachtlager, baue das Zelt an einem gut überlegten und schönen Ort auf, baue es fest und sicher denn es soll euch den bestmöglichen Schutz bieten.
    Nimm den kleinen Matthias ernst, er braucht deine Unterstützung und gehe liebevoll mit ihm um, er ist dein Freund und steht dir näher, als jeder andere Mensch. Achte nicht auf die anderen Menschen auf dem Weg sondern achte auf diesen Freund, er ist für dich viel wichtiger als die Leistungen der Anderen.

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