Sechsunddreißig

36! Das ist die Zahl der Stunden, die ich noch bis zum Abflug nach San Diego habe. Nur noch zwei Tage – unglaublich! Und das besonders Verrückte daran ist, dass ich tatsächlich all das geschafft habe, was zu schaffen war. Was habe ich in der letzten Woche an mir und meiner Planung gezweifelt und mich gefürchtet vor der großen Katastrophe. Nun hat alles funktioniert – nicht reibungslos und ohne Schäden, aber eben doch so, dass ich nun auf der Couch bei Irene liege und sagen kann, dass ich fertig geworden bin.

So sah es einmal bei mir aus, und ich gebe gerne zu, dass die Aufnahme nicht wirklich toll gelungen ist. Sie wurde von mir im Schnellverfahren gemacht, bevor ich daran ging, die Wohnung zu räumen und mich von Dingen zu trennen, die noch auf dem Foto zusehen sind. Ich verbinde mit diesem Ort viele schöne Erinnerungen, besonders an fröhliche Feiern mit meinen Freunden, bei denen Berge selbstgemachter Pizza und erhebliche Mengen an Rotwein genossen wurden. Auch sonst gibt es gute Erinnerungen an diese Wohnung: schöne Stunden der Zweisamkeit, lustige Momente mit den Katzen, wertvolle Gespräche über wichtige Themen und viele Momente der Stille oder der Musik. Und es gab sehr schwere Stunden, auch die dürfen sein und sind wichtig, denn sie haben auch dazu beigetragen, dass ich mich auf den Weg gemacht habe.

Nun sieht es so aus. Die Wohnung ist vollständig geräumt, mit Akribie gereinigt und in einen Zustand gebracht, in dem ich sie morgen übergeben werde. Und das Foto ist noch schlechter, wurde aber auch mit einem Telefon erstellt, denn die Kamera ist längst ausgelagert. Und mir ist aufgefallen, dass es mich nicht berührt, diese Räume zu betrachten und darin zu stehen. Es war meine Wohnung, aber ich habe entweder nicht so sehr an ihr gehangen oder habe schnell mit ihr abgeschlossen, sie loslassen können. So ähnlich ging es mir heute auch mit meinem Auto. Es war ein gutes Auto und ich bin damit in Frankreich, Italien und Spanien gewesen, habe mit innerem Stolz meine Tochter fahren erlebt, einen Einbruch gehabt und nur wenig Reparaturen. Und doch: als es heute auf dem Transporter stand und mit ihm davon fuhr, habe ich weder Wehmut noch Trauer darüber gespürt, es nicht mehr zu besitzen. Ich habe es losgelassen und es fiel mir nicht schwer.

Ich bin dann mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs gewesen und habe alle Dinge erledigt, die ich mir vorgenommen habe. Im Anschluss habe ich mich dann nach Randersacker aufgemacht, zu meiner letzten Therapiestunde. Und da ich noch etwas Zeit hatte, setzte ich mich dort auf eine Bank am Main zu fünf Graugänsen, die über mein Erscheinen nicht so recht glücklich waren, und genoss den diffusen Sonnenschein und die verhaltene Wärme. Und erlebte es wie ein Glücksgefühl, den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein und nicht in einer Wohnung. Keine wirkliche Bleibe mehr zu haben, keinen Besitz, den ich instand halten muss und nichts, um das ich aktuell kämpfen müsste. Ich fühlte mich todmüde und doch lebendig im Wind und der Natur. So wünsche ich es mir für den PCT, dass das Glücksgefühl unter dem freien Himmel in der grenzenlosen Natur erhalten bleibt. Es fühlt sich wie Leben an.

Sechsunddreißig

5 Gedanken zu „Sechsunddreißig

  • 16. April 2017 um 15:05
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    Hi mein Lieber, ich hab mich in deiner Wohnung immer sehr wohl gefühlt….und ich bin schon gespannt, wo Du in der Zukunft wohnen wirst…..
    Alles Liebe, Inken

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  • 13. April 2017 um 13:58
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    Ich wünsche dir eine ganz tolle Zeit auf deinem Weg. 🙂

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  • 13. April 2017 um 1:52
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    ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen.viel spass und alles gute.
    psyco heiko
    pct 99 at 03 cdt 2010

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  • 12. April 2017 um 22:44
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    Freue mich mit Dir! Der PCT wartet schon auf Dich…

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