Pech gehabt

Ich war fest entschlossen, nicht über das Corona-Virus zu schreiben und bin es immer noch. Bislang dachte ich immer, dass mich diese Thema nicht betreffen würde, zumal ich erst im Sommer zu der Risikogruppe gehören werde, von der allgemein immer die Rede ist. Und ich ertrage die Einkaufsneurose der anderen Menschen nicht und vermisse die Verhältnismäßigkeit der gewählten Mittel in Politik und Wirtschaft.

Aber ich habe mich geirrt. Das Thema betrifft mich doch, wenn auch ganz anders, als erwartet. Mein kleines Depot eines Aktienfonds, in dem ich die vermögenswirksamen Leistungen deponiere, ist inzwischen ziemlich gerupft worden. Die dabei entstandenen Verluste sind lächerlich gegenüber denen anderer Menschen, die deutlich größere Verluste hinnehmen mussten. Und sie schmerzen mich wenig, weil ich zum einen davon ausgehe, dass sich die Wirtschaft wieder erholen und dann der Wert wieder steigen wird, zu anderen, weil die realen Verluste ohnehin sehr klein sind.

Viel mehr drückt mich das Einbrechen der Reisebranche, die Reiseverbote und die abgeriegelten Grenzen, die den Reiseverkehr unmöglich machen. Und das betrifft mich sehr! Denn natürlich habe ich in der Sicherheit des neuen Arbeitsvertrages meine derzeitige Stelle gekündigt. Nun ist nicht mehr klar, wie es weiter gehen wird. Möglicherweise beginne ich die neue Stelle in Kurzarbeit, aber sicherlich nicht im erhofften Umfang des Reisens. Vielleicht kann ich auch, das großzügige Angebot meines bisherigen Chefs nutzend, vorläufig in meiner alten Firma bleiben, bis der Reiseverkehr wieder weitgehend normal läuft. Aber auch das ist nicht mehr sicher, denn noch ist nicht abzusehen, inwieweit der öffentlich Nahverkehr in Betrieb bleiben wird. Und so stehe ich nun da mit einer Unsicherheit, die ich stets vermeiden wollte und an deren Zustandekommen ich diesmal geradezu unschuldig bin.

Aber mir fällt noch etwas ein, was es zu Corona zu sagen gibt, quasi, um einen versöhnlichen Schluss zu finden und nicht in Trübsal zu verfallen. Es gibt einen wunderschönen Ort, den ich sehr empfehlen kann: Santuario Madonna della Corona in der Nähe des Lago di Garda. Mir ist bewusst, dass niemand derzeit dort hin fahren wird, der Ort hat ja auch gar nichts mit dem Virus zu tun. Ich musste nur daran denken, wie schön es war, als ich dort war: die kurvenreiche Straße dorthin, die spektakuläre Aussicht ins Etsch-Tal, die Sonne und der Espresso in der Bar mit meiner damaligen Freundin. Und ich merke an dieser Erinnerung, wie groß die Vorfreude darauf ist, wieder auf Reisen zu sein, sobald es wieder geht. Und ich hoffe, dass es bald sein wird.

Pech gehabt

2 Gedanken zu „Pech gehabt

  • 21. März 2020 um 21:29
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    …magst Du telefonieren? Bin diesen Sonntag Daheim, würd mich sehr freuen…LG

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  • 18. März 2020 um 12:56
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    … lass uns mal wieder telefonieren – ich freu mich immer darauf. Dann machen wir eine aktuelle Lagebesprechung!

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