Unvergessen

Ich habe Dich nicht vergessen. Erst durch Dein Fehlen ist mir bewusst geworden, wie oft ich am Tag an Dich denke. Und wie sehr ich es vermisse, einfach das Telefon nehmen zu können, um mit Dir zu sprechen.

Noch immer muss ich grinsen, wenn ich die letzten Textnachrichten von Dir lese. Du saßest im Flugzeug auf dem Rückflug von Barcelona, wenige Tage vor Deinem Tod, und fragtest Dich zu Recht, wer zum Teufel im Flugzeug eine Brotschneidemaschine kaufen würde. Das teiltest Du mir mit, garniert mit dem Foto des entsprechenden Teils einer Broschüre, die im Flugzeug herumgereicht wurde. In der Folge kam ein weiteres Foto aus dieser Broschüre mit einem Werkzeugtrolley mit der gleichen Fragestellung. Diese Fähigkeit, die Verrücktheiten des Lebens mit genüsslicher Ironie wahrzunehmen, teilten wir in unserer Freundschaft. So oft haben wir gemeinsam gelacht! Zum Beispiel über ein Foto von einem Preisschild aus einem Möbelhaus, auf dem ein Esstisch ‚ohne Funktion‘ angeboten wurde. Oder über Wahlplakate. Oder den Begriff ‚Geschmacks-Erdbeeren‘, den sich irgendein bescheuerter Werbemensch hat einfallen lassen.

Noch immer höre ich Dich ‚Fuck‘ sagen, die Betonung und die Stimme dabei sind mir unvergessen. Inzwischen habe ich ein paar Fotos von Dir aufgehängt. Erst mit Deinem Tod ist mir aufgefallen, dass ich von meinen Freunden gar keine aktuellen Fotos habe. Das will ich zukünftig ändern. Aber aus der Serie, die ich 2008 von Dir gemacht habe, habe ich zwei Portraits ausgesucht, die es mir wert waren, mich an Dich zu erinnern. Und dazu das Foto mit den weit ausgestreckten Armen, dass ich besonders gelungen fand. Es hing ja, soweit ich weiß, bei Dir im Arbeitszimmer in einem Riesenformat an der Wand.

Und so bleibst Du. Unvergessen!

Unvergessen

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