Abschied

„Immer wenn ich traurig bin, finde ich nicht die richtigen Worte“, sagte er, ein sympatischer, älterer Mann aus Berlin, bereits im Rentenalter und ein Teil der letzten Reisegruppe, die ich durch Apulien gefahren habe. Und ich konnte ihm sowohl die Verlegenheit als auch die Rührung ansehen, als er sich mit diesen Worten von unserer Reiseleiterin Laura verabschiedete und dabei lange ihre Hand in seiner hielt, in der ein Geldschein versteckt gewesen war.

Mir ging es auch so. Auch für mich stand der Abschied von Laura an. Für mich war es vielleicht noch schwerer als für den freundlichen Berliner, hatte ich doch drei ganze Wochen mir ihr zusammengearbeitet und alle Untiefen der Reisen erfolgreich durchgestanden. Wir waren ein gutes Team, hatten vorn im Bus oft Spaß und haben viel zusammen gelacht. Es war alles unkompliziert mit ihr und sie erzählte von ihrer Liebe und ihrem Gefühl inniger Verbundenheit mit ihrer Heimat Apulien.

Sie gefiel mir ausnehmend gut. Sie hat schwarze Haare und braune Augen, ganz gleichmäßige Zähne und lange, natürliche Fingernägel. Auch sonst gibt es nichts, was bei äußerer Betrachtung störend ins Auge fällt. Sie war immer gut angezogen, hat offensichtlich ein gutes Gespür für ihre Ausstrahlung und trägt mit Vorliebe selbst gemachten Schmuck. Als „typische“ Italienerin ist sie deutlich kleiner als ich und recht schlank.

Was mich aber am meisten an ihr begeistert hat, das war das Strahlen ihrer Augen und ihr Lachen, die jugendliche Leichtigkeit und die Lebensfreude, die sie ausatmete. Und das Feuer und die Begeisterung für ihre Heimat, die manchmal bei ihr auch eine Rührung und Ergriffenheit mit sich brachten, die ich, neben ihr am Steuer des Busses sitzend, spüren und wahrnehmen konnte. Gestern nach dem Abendessen hat sie für uns zum Abschied einen traditionellen Tanz getanzt – den Pizzica Pizzica – und so konnte ich sie noch als hüpfendes Energiebündel erleben. Und zum Abschied heute haben wir uns ganz fest umarmt.

Und so hat mich das schmerzhafte Gefühl des Abschieds nicht überrascht, wohl aber die Ahnung von Tränen im Augenwinkel. Längere Zeit, nachdem ich sie in Lecce abgesetzt hatte, war ich dankbar für die Notwendigkeit, konzentriert und schweigend meiner Tätigkeit als Fahrer nachkommen zu dürfen, die Augen hinter der Sonnenbrille verborgen. Und bei aller Traurigkeit, die ich sicherlich mit den vierzig Gästen teilte, bleibt auch das Glücks angesichts des Geschenks, dieses Gefühl erlebt und gespürt zu haben. Ich habe einen tollen Menschen und eine wundervolle Frau kennengelernt. Und hoffe, dass wir in Kontakt bleiben werden. 

Vielleicht komme ich ja im kommenden Jahr wieder nach Apulien…. Ich würde sie gerne wieder sehen.

Abschied

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