Anker

Was wäre ein Schiff ohne Anker? Es wäre hilflos den Wellen, der Strömung und dem Wind auf dem Meer ausgeliefert, würde möglicherweise abgetrieben und könnte an schroffen Felsen zerschellen: es wäre dem Untergang geweiht. Deshalb werden auch heute noch immer alle Schiffe mit mindestens einem Anker ausgestattet, aller digitaler Technik zum Trotz. Er hält das Schiff beweglich und trotzdem ortsfest, an einer sicheren, vorher gründlich geprüften Stelle.

Ist das nicht ein schönes Bild? Für mich ist es deshalb so inspirierend, weil ich gerade versuche, in meinem Leben wieder einen Anker zu werfen, einen festen Punkt zum Ankern zu finden, ohne mich dabei unbeweglich zu fühlen oder immobil zu machen. Ich habe wieder eine Wohnung, heute habe ich den Mietvertrag unterschrieben. Und wie ich es mir von Anfang an gewünscht hatte, so ist diese Wohnung zentral in der Altstadt von Rottweil gelegen, sie hat zwei Zimmer und einen kleinen Balkon. Ich habe ihn noch nicht gesehen, denn er ist noch gar nicht da. Die ganze Wohnung ist noch im Zustand der Renovierung, alles wird neu gemacht, das Bad, die Küche, der Fußboden, alle Leitungen: einfach alles! Im Grunde ist es eine Neubauwohnung in einem alten Haus.

Ich freue mich auf meine Sachen, die ich baldmöglichst aus Würzburg holen möchte, besonders auf die CDs und die Hifi-Anlage. Ich bin richtig gespannt, was ich noch so alles in die Kartons gepackt habe, als ich vor eineinhalb Jahren auf den PCT aufgebrochen bin, zum Teil weiß ich es tatsächlich nicht mehr. Gleichzeitig bin ich aber auch frei von jeder Form der Euphorie. Es wird erst einmal sehr fremd sein, wieder ein eigenes Heim zu haben, zumal ich fast kein Mobiliar mehr habe.  Inzwischen sind es jetzt auch achtzehn Monate geworden, die ich ohne Wohnung ausgekommen bin. Es stellt sich kein Glücksgefühl ein, es ist keine Traumwohnung, zumal sie – dem Rottweiler Preisniveau entsprechend – deutlich mehr kostet, als ich eigentlich fürs Wohnen ausgeben wollte. Und so bleibe ich nüchtern, mit leichter Freude.

Und diese Freude speist sich mehr aus den Dingen, die mit der neuen Wohnung eher am Rande zu tun haben. Ich freue mich zum Beispiel darauf, wieder eine Pizza-Fete mit meinen Freunden zu feiern, die ich aber mit neuen Personen aufzupeppen gedenke, die ich hier kennen gelernt habe. Zudem hoffe ich auf schöne Momente mit einem Glas Rotwein auf dem Balkon, allein oder auch zu Zweit. Ich stelle mir ein deutliches Mehr an Entspannung vor, wenn ich nicht mehr an meinem Arbeitsplatz lebe. Und ich bin gespannt, wie sich zukünftig meine Arbeit dadurch verändert. Ich möchte ja beweglich bleiben und trotzdem ortsfest: ein neues, eigenes Privatleben, das ich begonnen habe aufzubauen.

Und darauf freue ich mich besonders!

Anker

2 Gedanken zu „Anker

  • 16. September 2018 um 17:01
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    Juhu….er hat wieder ein Zuhause…was freu ich mich für Dich!!! LG

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  • 15. September 2018 um 7:58
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    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

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