Bishop

Hier bin ich nun. In Bishop, einer Stadt von etwa 20.000 Einwohnern, die durch eine große Straße durchzogen wird und, soweit ich das bisher gesehen habe, vor allem durch Motels charakterisiert wird. In einem davon liege ich gerade und schreibe diesen Text.

Es war wieder ein ziemlich harter Tag, der um 4:00 Uhr morgens begann. Unseren Aufbruch hatten wir für 5:00 Uhr vereinbart, weil der Schnee dann noch gefroren ist und das Laufen dann leichter fällt. Es sollte über den Kearsarge-Pass führen, 11.500 Fuß hoch. Und bedingt durch den Schnee ging es wieder ziemlich querfeldein. Teilweise folgten wir nicht dem ausgewiesenen Weg in der Navigation, sondern wählten eine freie Route.

Und natürlich ging es bergauf! Wieder merkte ich, dass das Gehen auf diesen Schneefeldern unglaublich viel schwerer ist, als auf sandigen oder geschotterten Wegen. Für mich ist es eine deutliche Überforderung. Und das trotz der Spikes an den Schuhen. Erneut spürte ich die Auswirkungen der Höhe auf meinen Körper, fühlte meine eigene Schwäche, die mangelnde Fitness und den fehlenden Willen, diesen Kampf tatsächlich zu kämpfen.

Mit vielen Pausen, die Florian widerspruchslos ertrug, schaffte auch ich den Aufstieg auf die Passhöhe. Inzwischen war unsere Gruppe in zwei Teile zerbrochen, eine schnelle, die vorausgeeilt war und unsere Vierergruppe, die hinterherkam. So machten wir unseren eigenen Abstieg, der uns an eine Straße bringen sollte, von der aus wir ins Tal würden fahren können.

Dank der Sonneneinstrahlung wurde der Abstieg eine Art Rutschbahn, denn ein kontrolliertes Laufen auf dem nassen, angetauten Schnee ist selbst mit Spikes nicht möglich. Wiederholt tat sich unter meinem Fuß ein Loch auf in das ich mit dem ganzen Bein stürzte. Meine Unterschenkel sind deutlich zerkratzt und blutig. Und trotz der Spikes rutschte ich erheblich seitwärts weg, den Anderen ging es nicht anders. So war der Abstieg kein Vergnügen, und ich glaube, alle waren froh, als der Weg wieder schneefrei war, kurz bevor wir den Parkplatz erreichten. Von dort aus fuhren wir nach Independence, von wo aus wir einen Bus nach Bishop nahmen.

Wir begegneten während des Abstiegs verschiedenen Wanderern, die in entgegengesetzter Richtung zur Passhöhe unterwegs waren. Und ich war gleichzeitig fasziniert und entsetzt über die Menschen, die sich das vorgenommen hatten und antun wollten. Für mich konnte ich es mir nicht mehr vorstellen, diesen Weg zurück auf den PCT zu nehmen. Nicht bei dem Zustand des Schnees, nicht bei dieser Steigung, nicht bei dem gefährlichen Abstieg.

Und unvermutet sprach ich mit Everett und Martin im Bus darüber. Beide brachten zum Ausdruck, dass auch für Sie ein “Zurück” auf diesem Weg nicht denkbar wäre, wegen der Gefahr und der Anstrengung. Zudem traf ich einen anderen Wanderer, dem ich bei meiner Ankunft in San Diego am Flughafen bereits begegnet war. Dieser stand an der Straße, schaute dem Verkehr zu und machte einen etwas hilflosen Eindruck. Als ich ihn ansprach, sagte er mir, dass er derzeit nicht einmal sagen könnte, ob er noch einmal Vorrat für den Weg kaufen würde. Ihm ging es also genauso wie mir.

Bishop

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