Gute Vorsätze

Es ist doch in jedem Jahr das Gleiche. An Silvester denkt man zurück, resümiert seine eigenen Unterlassungen und nimmt sich vor, es im folgenden Jahr besser zu machen. Und stellt nach Ablauf des Jahres dann fest, dass sich doch nichts oder nicht viel geändert hat.

Natürlich ist das bei mir auch nicht anders. Hier jedoch kann ich es mir nicht leisten, bestimmte Dinge nicht zu ändern. Das Essen, zum Beispiel. Meine Bestandsaufnahme führte zu dem (nicht durch aussagekräftige Statistiken untermauerten) Ergebnis, dass ich mit Glück auf eine Kalorienmenge von 1200 pro Tag gekommen bin. Und dies ohne das Gefühl, Hunger zu haben oder zu wenig gegessen zu haben. Dass ich dabei abnehme, scheint klar, oder?

Also gelobte ich feierlich Besserung. Plane doppelte Mengen ein, regelmäßige Pausen, beschaffe die notwendigen Zutaten, versuche sinnvoll und preisgünstig einzukaufen. Sortiere alles nach Frühstück, Zwischenmahlzeit und Abendessen in unterschiedlichen Tüten. Und stehe nun, beim Packen für das morgige Wandern, vor der schier unlösbaren Frage, wie ich das alles in meinem Rucksack unterbringen soll. Er wird, falls ich es schaffen sollte, sehr voll sein. Ich werde ihn tragen, müssen.

Und so erzeugt ein guter Vorsatz und seine Umsetzung neuen Druck – ab morgen wieder auf meinen Schultern. Ich werde mich über jede Mahlzeit freuen, denn sie macht den Rucksack wieder leichter. Und ich werde vielleicht mehr essen als sonst – nicht aus tieferer Einsicht, sondern einfach, um das Gewicht zu verringern. Dazu werde ich versuchen, mich nicht über meinen Vorsatz zu ärgern, der mir so viel Last beschert. Sondern die Freude am Wandern auf dem PCT erneut zu spüren und froh sein, wieder unterwegs zu sein.

Es fällt mir noch immer so schwer, für mich gut zu sorgen. Es ist doch verrückt, dass dieser Gedanke bei mir nicht angelegt zu sein scheint. Ich benutze meine Sonnencreme nicht und es ist auch nicht so wichtig, da ich keinen Sonnenbrand mehr bekomme. Aber vielleicht würde es der Haut gut tun? Ich halte auch nicht an, wenn ich einen Stein im Schuh habe. Stattdessen warte ich darauf, dass er durch das Weiterlaufen an eine Stelle rutscht, wo er nicht mehr so stört. „Bloß nicht anhalten, sonst verlierst Du Zeit!“ Und so handhabe ich es bisher auch mit dem Essen.

Bin ich eigentlich, trotz aller guter Vorsätze, der Richtige, um für den kleinen Matthias gut zu sorgen? Werde ich das noch lernen können?

Gute Vorsätze

2 Gedanken zu „Gute Vorsätze

  • 26. Mai 2017 um 17:16
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    Lieber Matthias!
    Du brauchst bei Deiner Größe schon mindestens doppelt so viel Kalorien und bei der Anstrengung noch zusätzliche Energie. Kannst Du Dir nicht etwas Traubenzucker beschaffen als Energiereserve? Und weißt Du im Voraus, wo Möglichkeit zum Einkaufen ist, so dass Du vielleicht weniger schleppen mußt, weil Du weißt: an der nächsten Biegung ist ein Laden, wo Du Dich bevorraten kannst? Das gleiche gilt für das Wasser. Ich habe befürchtet, dass Du Dich unter Druck setzt, weil Du vorankommen willst. Das wird Dich kaputt machen, wenn Du weiter so mit Dir umgehst. Und kann man unter diesen Umständen diesen Weg überhaupt genießen? War das nicht auch ein Ziel Deiner Aktion?
    Wenn ich Dir helfen kann, melde Dich bitte.
    Liebe Grüße von Deiner Schwester

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  • 26. Mai 2017 um 10:10
    Permalink

    hallo Matthias
    klingt für mich als verwandelst du dich langsam von einem vernünftigen mensch in einen
    thruhiker. was in der normalen welt gilt macht dort manchmal keinen sinn.für nichtwanderer
    ist das oft schwer zu verstehen.auch ich hab oft mal nicht auf meinen körper gehört.ich denke das
    pendelt sich alles auf ein normales maß ein.hauptsache du hast noch spass.einer meiner mitwanderer
    meinte mal. der schlimmste tag wandern ist besser als der schönste tag arbeiten.
    lg
    heiko

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