Geschafft

Was für ein Tag! Ach, eigentlich geht es schon seit drei Tage so, dass ich in der Nacht gegen drei Uhr aufwache und danach nicht mehr einschlafen kann. Ich liege dann wach und denke an alle noch nicht erledigten Dinge, die mich drücken oder vor denen ich Angst habe. Und so quäle ich mich in der Nacht mit meinen Gedanken, Sorgen und Ängsten. Und wenn ich dann gerade so weit bin, dass ich wieder schlafen hätte können, klingelt der Wecker. Und so habe ich in den letzten Tagen recht wenig geschlafen.

In den letzten Tagen ging es ganz besonders um das letzte „Papier“, das ich noch für den Weg brauche. Es ist die „PCT Long-distance Permit“ – eine Erlaubnis zum Wandern und Zelten auf der ganzen Strecke des PCT inklusive aller dabei gestreiften Nationalparks, für die man ansonsten jeweils eine extra Erlaubnis benötigt. Es werden nur 50 Permits für die einzelnen Tage ausgegeben. Als die ersten 35 Permits vergeben wurden, war ich noch auf der Autobahn, auf dem Rückweg von Hannover. Als ich am Abend an den Rechner ging, waren alle 35 Permits für alle Tage im April vergeben. Und mich schauderte bei dem Gedanken, nun eventuell keinen der restlichen 15 Permits zu erhalten.

Heute war also der große Tag, an dem die restlichen 15 Erlaubnisse für die Tage im April vergeben würden. Dies wurde auch auf der Webseite der Pacific Crest Trail Association verkündet. Um 10.30 Uhr Ortszeit würde es losgehen. Bei der Zeitverschiebung von neun Stunden ist das 19.30 Uhr MEZ. Ich saß mit eiskalten Händen bereits eine Stunde früher am Rechner, hatte die Seite aufgerufen, auf der die bereits vergebenen 35 Permits weiterhin in böser, roter Farbe leuchteten. Dazu hatte ich die Webseite mit dem Übersetzungsprogramm offen, falls es da ein Wort gäbe, welches sich mir dem Sinn nach verweigern würde. Und habe alle paar Minuten die Seite neu aufgerufen, um sicher zu gehen, nur ja nichts zu verpassen.

Und dann war es 19.30 Uhr – und immer noch nur rote, bereits vergebene 35 Permits. Mit einer Minute Verspätung wurden die restlichen Permits in grüner Farbe freigegeben. Und dann saß ich hier, zitternd und mich dauernd verschreibend, und tippte meinen Namen, das gewünschte Datum und alle anderen Angaben in das Formular, lautstark unterstützt und angefeuert von Karin am Telefon, welches ich in weiser Voraussicht mit dem Headset betrieb, um selbst beim Telefonieren beide Hände frei zu haben. Und schaffte es tatsächlich, den gewünschten Starttag für mich zu blockieren, alle Daten richtig einzugeben und die „Absenden-Taste“ zu drücken. Und dann passierte: gar nichts! Binnen weniger Minuten waren die restlichen Tage im April bereits alle rot markiert, also alle Permits vergeben. Wieder so ein Moment, wo mir das Herz still zu stehen drohte, dann gab es endlich eine Bestätigung meiner Eingabe auf der Webseite. Soweit geschafft, nun wartete ich auf die bestätigende Email, die angekündigt worden war. Irgendwie hatte ich erwartet, dass sie im gleichen Moment eintrifft, vielleicht spielt aber doch die große Entfernung bei den Mails auch eine Rolle. Und nun ist auch die Mail gekommen. Mit dem Hinweis, dass es sich dabei gar nicht um die Permit handelt, die kommt später, die Permit werden erst ab kommenden Mittwoch ausgegeben. Also warte ich, nun aber deutlich entspannter und langsam auch wieder mit warmen Fingern, auf die nächsten Mails aus Sacramento. Nun ist es geschafft!

Ich hätte nicht gedacht, dass mich das derartig anstrengen würde.

Geschafft

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