Zuhause

Seit einer Woche bin ich nicht mehr in der Klinik, das „normale“ Leben hat mich wieder. Mit allem, was dazu gehört. Fälschlich gekündigte Versicherungen, große Berge von nicht erledigten Briefen, dem Einkaufen, Abwaschen, Putzen und vielem anderen mehr. Und ich merke den inneren Antrieb zum Aufbruch besonders stark, seit ich wieder zu Hause bin. Zum Einen denke ich an mein Wüsten-Bild mit seinem warmen, sonnigen Eindruck. Hier dagegen ist es grau, der Nebel liegt auf der Landschaft auf und es ist um die 0° C – richtiges Winter-Schmuddelwetter. Zum Anderen merke ich, dass mich das Leben in dieser Wohnung bedrückt und deprimiert. Selten habe ich den Eindruck so stark wahrgenommen, dass sie mir nicht gut tut. Ich lebe nun fast 12 Jahre hier und habe aus der Wohnung in Sachen Raumnutzung das Bestmögliche herausgeholt. Aber sie war nie als etwas Anderes gedacht als ein Übergang. Nun ist es ein ziemlich langer Übergang geworden. Ich sollte diesen Zustand aus Selbstschutz so schnell wie möglich ändern.

Seit ich aus der Klinik gekommen bin, fühle ich mich gestärkt und voller Kraft und Zuversicht. Dafür bin ich sehr dankbar. Es hilft mir auch bei immer wieder anfallenden Enttäuschungen, wie zum Beispiel als mein Kaufinteressent für das Wochenendgrundstück abgesprungen ist. An diesem Verkauf hängt momentan finanziell die Verwirklichung der Wanderung, die mir so viel bedeutet. Und ich spüre, dass ich nicht aufgeben will, dass ich an alternative Möglichkeiten denke, Umwege ersinne und Pläne schmiede, doch noch, trotz aller Widrigkeiten, im April losgehen zu können. Und dieses „Nicht-Aufgeben“ habe ich als Erfolg aus der Klinik mitgebracht und ich hoffe sehr, dass ich es mir noch sehr lange erhalten kann.

Zudem habe ich einen Satz für mich übernommen, der geradezu revolutionär in meinem Leben ist, auch wenn er ganz unscheinbar daher kommt. Er lautet: So wie ich bin, bin ich in Ordnung! Das ist für mich völlig neu, ich muss mir diesem Satz immer wieder sagen und ihm noch echten Inhalt und Kraft geben, da er sich bislang noch recht hohl anfühlt. Und noch etwas habe ich verstanden: Ich kann meiner Wahrnehmung trauen. Bisher hatte ich immer an mir gezweifelt, auch aus Angst vor Auseinandersetzungen. Diese Zeit sollte jetzt mal langsam vorbei sein, finde ich. Und all das zusammen fühlt sich an, als hätte ich aus der Klinikzeit ordentlich profitiert. Und ich hoffe das sehr, denn ich sehe mich auf einem neuen Weg, in ein anderes Leben. Und hatte, noch in der Klinik, das Gefühl, dass es Zeit ist, dass ich mir selbst für diese Veränderung danken könnte. Daraus ist ein Text geworden, und ich bin dankbar, dass ich es so fühlen und ihn aufschreiben konnte. Aber er hat einen eigenen Beitrag verdient!

Zuhause

Ein Gedanke zu „Zuhause

  • 22. Dezember 2016 um 9:47
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    Wunderbar: Zum einen Deine Entwicklung aus Deinen alten Mustern. Wie schwer das war, weißt nur Du. Aber auch, dass Du diese für Dich anerkennst, sie für Dich annnimmst und sie mit uns teilst. Ich freue mich sehr mit Dir. Mit gehobenem Kopf, wachem Blick und festem Schritt ist es einfach besser spürbar, dass der Boden wirklich trägt. Jetzt.

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